Syndyastische Sexualtherapie
Die Syndyastische Sexualtherapie geht von folgenden Grundannahmen aus:
Zu den Grundbedürfnissen des Menschen (wie z.B. Nahrung, Schlaf, Witterungschutz) zählen im psychisch-sozialen Bereich das Erleben von Akzeptanz, Zugehörigkeit, Geborgenheit, Vertrauen und Nähe. Eine sehr gute Möglichkeit, solche Gefühle zu haben, besteht in positiv erlebtem, intimen Körperkontakt: Berührungen sprechen für sich selbst! Das gemeinsame Erleben sexueller Lust lässt diese Gefühle noch intensiver empfinden. So wird die Bindung eines Paares immer wieder gefestigt und gestärkt. Diese bindungsstabilisierende und die Beziehung festigende Funktion von Sexualität ist die syndyastische Dimension.
Bei der Syndyastischen Sexualtherapie steht nicht die gestörte Sexualfunktion im Mittelpunkt der Behandlung, sondern die Beziehung der Partner in ihrer sexuellen Ausdrucksform. Das bedeutet: Nicht ein „Symptomträger“ wird zum Patienten, sondern für die zugrunde liegende Problematik erhält das Paar „Hilfe zur Selbsthilfe“.
In den Therapiesitzungen erarbeiten die Partner gemeinsam mit dem Therapeuten Übungsschritte, die sie in „Verabredungen“ in der Woche zu Hause miteinander ausprobieren. In der jeweils darauffolgenden Sitzung werden die dabei gemachten neuen , körperlichen und seelischen Erfahrungen besprochen und weitere, darauf aufbauende Schritte vorbereitet.
Das Paar bekommt so die Möglichkeit, sich durch lustvolle und angstfreie sexuelle Körperkommunikation die Bedürfnisse nach Akzeptanz, Geborgenheit, Zugehörigkeit und Nähe zu erfüllen. Dadurch können sich die gestörten Sexualfunktionen wieder verbessern, weil die Belastung durch (selbstgemachten oder fremderzeugten) sexuellen Leistungsdruck genommen wird.
Das bedeutet, die Verbesserung ihrer partnerschaftlichen und sexuellen Zufriedenheit sollte das Anliegen beider Partner sein. Außerdem muss das Paar bereit sein, pro Woche einige Stunden gemeinsame Zeit zur Erreichung dieses Zieles aufzuwenden.
Der Umfang der Gesamtbehandlung beträgt bei dieser fokussierenden Kurzzeittherapie (einschließlich der diagnostischen Termine und der Therapieplanung) in der Regel 12 bis 20 Stunden.
Die syndyastische Sexualtherapie ist geeignet zur Behandlung aller Störungen des sexuellen und partnerschaftlichen Erlebens und Verhaltens bei Frauen und Männern.
Syndyastik . syndyastisch sind von dem griechischem Wort syndyastikós abgeleitet. Aristoteles verwendete das Wort syndyastikós inhaltlich im Sinne von disponiert zur Gemeinsamkeit zu zweit bzw. zur Zweierbeziehung bzw. zur Paarbeziehung in seinem Werk „Nikomachische Ethik“ (Buch VIII, Kap. 14, 1162a:17).
(Beier & Loewit: Lust in Beziehung – Einführung in die Syndyastische Sexualtherapie. Springer 2004)